IZ empfiehlt // Vortrag: Kein Frieden ohne uns – soziale Kämpfe in Kolumbien

Wir wollen euch auf die Fortsetzung der “Rebellisch – Solidarisch – International” Reihe unserer Freund*innen in Löbtau hinweisen!

Kein Frieden ohne uns. Soziale Kämpfe in Kolumbien

23.01.2020 I 18:30 Uhr I Platzda! I Vortrag und Diskussion auf Deutsch


Am 21. November 2019 riefen soziale Bewegungen zum Generalstreik gegen die rechte Regierung Kolumbiens auf. Niemand konnte ahnen, dass sich die Proteste und Blockaden wochenlang hinzogen und Menschen massiv auf die Strassen gingen, um gegen Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich zu protestieren. Der Streik gilt als grösste Mobilisierung der letzten 40 Jahre und reiht sich in die turbulenten Ereignisse der letzten Monate in Lateinamerika ein. Doch wer genauer hinschaut, erkennt eine Kontinuität sozialer Kämpfen in Kolumbien, die wir genauer leuchten wollen. Bereits im März diesen Jahres waren fast 30.000 Menschen im Süden Kolumbiens im Streik. Hauptsächlich indigene Aktivist*innen blockierten fast einen Monat die Hauptverkehrsachse des Landes. Bei der sogenannten Minga ging es um die „Verteidigung des Lebens, des Territoriums, der Demokratie, der Gerechtigkeit und des Friedens“. Auch afrokolumbianische Organisationen hatten sich den Protesten angeschlossen. Wie bereits 2017 wurde erneut die wichtige Straße nach Buenaventura, einem der größten Häfen Kolumbiens, blockiert und Forderungen nach (sozialer) Infrastruktur erneuert.
Ein weiterer zentraler Punkt der Proteste ist die Situation in Kolumbien nach dem Friedensvertrag zwischen FARC-Guerilla und Regierung im Jahr 2016. Von der internationalen Öffentlichkeit kaum beachtet, herrscht in Kolumbien weiter Krieg gegen Indigene und Afroaktivist*innen. Soziale Bewegungen und Kleinbäuer*innen sehen sich mehr denn je massiven Bedrohungen und Repressionen ausgesetzt. Seit Unterzeichnung des Friedensvertrages wurden mehr als 700 soziale Aktivist*innen und 135 ehemalige Guerilleros ermordet. Paramilitarismus ist erneut auf dem Vormarsch. Auch das kolumbianische Militär rüstet auf: Der Oberbefehlshaber der Armee soll seine Einheiten angewiesen haben, die Anzahl von getöteten und festgenommen „Rebellen“ zu verdoppeln. Schon einmal führte eine solche Anweisung in den 2000er Jahren zu 8000 verschwundenen und ermordeten Zivilpersonen.
Andreas Hetzer, Aktivist vom Netzwerk Red de Hermandad y Solidaridad con Colombia berichtet über die aktuelle Situation in Kolumbien.
Er lebt seit 2013 in Cali und veröffentlicht zu Themen in Lateinamerika für verschiedene Medien. Er forscht zur Demobilisierung der FARC, zur Berichterstattung über Lateinamerika, zur politischen Kommunikation der kolumbianischen Regierung an der öffentlichen Universidad del Valle in Cali und ist Postdoc an der Universität Bayreuth.

Anschließend Küfa im PlatzDa!

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