Fokus Afghanistan im Golgi-Park Hellerau

30.09.2017 @ Golgi-Park Hellerau, Karl-Liebknecht-Str. 56

Bevor ihr zum Auftakt für der Reihe “Was heißt hier Siegerjustiz” kommt, legen wir euch noch einen Besuch im Golgi-Park, hinter dem Festspielhaus Hellerau, ans Herz. Das Herbstfest des Community-Gartens hat dieses Jahr den Fokus auf Afghanistan, die geplanten Ausweitung von sicheren Herkunftsländern und die u.a. damit verbundene Abschiebepraxis gelegt. Neben unserem Büchertisch, in Kooperation mit dem allseits bekannten Neustädter Buchladen “Büchersbest”, wollen wir hier auch auf einen Vortrag und eine Filmvorführung im Rahmen des Festes hinweisen:

I 15:00 – 16:30 Uhr Afghanistan Code – Vortrag und Hintergrundinformationen zur Geschichte und aktuellen politischen Lage im Land.

II 17:30 bis 18:30 Uhr Filmvorführung und Gespräch „BOY“ in Anwesenheit der Protagonistin und des Produzenten

Los geht es schon ab 12:00 Uhr. Das ganze Programm findet ihr HIER (LINK)

I

Ein besonderer Augenmerk fällt dabei auf den Referenten Marc Thörner. 1964 geboren, studierte er Geschichte und Islamwissenschaften und lebt in Hamburg. Seit 1994 ist er als freier Journalist, überwiegend für ARD-Rundfunkanstalten, tätig und erhielt 2009 den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus. Er berichtet aus dem Maghreb, den Golfstaaten, dem Irak, Pakistan und Afghanistan. Mit seinem überaus faktenreichen und dennoch kurzweiligen Buch “Afghanistan Code” legt Thörner da, wie der politische und radikale Islam in die Welt kam und welche Rolle der Westen und der Kolonialismus für seine Herausbildung spielten:

“Aufbau der Demokratie und Kampf gegen den Terror, den islamischen Extremismus, so lautet der Anspruch, mit dem Deutschland und andere westliche Staaten ihr Engagement in Afghanistan begründen. Doch vor Ort, auf den großen Basen, in den Wiederaufbauzentren, bei den Militäreinheiten zeigt sich: Das zivile Element ist dem militärischen Konzept nur zugeordnet, es geht um Aufstandsbekämpfung.

Stolz verweisen US-Offiziere in Kabul auf den Erfolg dieser neuartigen Methode im Irak – während man bei der französischen Armee mit nachsichtigem Lächeln reklamiert, die Aufstandsbekämpfung erfunden zu haben: vor hundert Jahren, in den nordafrikanischen Kolonien.

Für den Autor beginnt eine abenteuerliche Spurensuche: Auf Fahrten im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, in Madrassahs, in abgelegenen Forts, bei Gesprächen mit Mullahs und Militärs, bei Diskussionen mit liberalen islamischen Gelehrten zeichnet sich immer deutlicher ab: Der islamische Extremismus, zu dessen Bekämpfung ISAF-Truppen in Afghanistan stationiert sind, hat sich erst durch die Zusammenarbeit von Aufstandsbekämpfern und konservativen Autoritäten entwickelt. Und diese Zusammenarbeit verhindert, dass sich islamische Gesellschaften demokratisieren und sich der ausländischen Dominanz entziehen.” (Edition Nautilus).

Ahmad Muhebbi ist in Dresden im Montagscafé des kleinen Hauses und in der afghanischen Community aktiv. Er engagiert sich besonders bei den Protesten gegen Abschiebung und Ausweitung der sicheren Herkunftsländer. Er wird kurz über den aktuellen Stand der Proteste und des Widerstands gegen Abschiebungen nach Afghanistan berichten und den Vortrag einleiten.


II

Der zweite Hinweis ist nicht minder bemerkenswert: Der Film “Boy” der unabhängigen Rosenpictures Filmproduktion wird gezeigt. Der Kurzfilm begleitet das Leben eines afghanischen Mädchens in Mazar-e-Sharif, das als Junge aufgezogen wird. Er erzählt die Geschichte einer jungen afghanischen Sängerin, die sich als Junge verkleidete, um ein »freieres Leben« zu führen und inzwischen in London lebt. Dabei lebt die Narration von ausschnitthaften, nahen Beobachtungen und athmosphärisch-beschreibenden Landschaftsaufnahmen von urbanen und ruralen Räumen.

Anschließend werden die Prodagonistin Farahnaz Ghafori und der Produzenten Ray Peter Maletzki für ein Filmgespräch zur Verfügung stehen.

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