1. Bericht Chiapas: Wer sind die Abejas/Bienen eigentlich?

– Die Abejas und die Aggressorinnen –

Zusammenfassung der Aggression gegenüber den Abejas am 21. April 2018

Im Vorfeld der Agression gab es das Gerücht, dass die Gruppe „Sembradores de paz“ am Eingang zum Gelände des Verwaltungssitzes der Abejas ein Bürogebäude bauen und Teile des Gebietes der Abejas ökologisch nutzen wollten. Einige Bereiche hatten sie bereits von Gräsern befreit, um Kaffee anzubauen. Am Morgen des 21. April 2018 wurden dann vier Grenzpflanzen (Yuccapflanze), auf dem Territorium der Abejas, von den „Sembradores de paz“ gepflanzt, um ein Gebiet zu markieren, was sie für sich beanspruchen wollen. Woraufhin die Abejas einen Stacheldrahtzaun rings um ihr Gebiet errichteten und ein Holzhaus an die Stelle setzten, wo die „Sembradores de paz“ planen ein Büro zu bauen. Bewaffnete Personen haben dann am Abend des selben Tages den Sitz der Organisation „Sociedad Civil Las Abejas de Acteal“ (Zivilgesellschaftliche Organisation Die Bienen aus Acteal) in Acteal angegriffen und bedrohen weiterhin Leben und Sicherheit der Mitglieder der Abejas. Bewaffnet mit Waffen, Stöcken und Steinen zerstörten sie erst den Zaun, dann das Holzhaus auf dem Grundstück der Abejas und feuerten Schüsse in die Luft ab. Die bewaffneten Personen, die Zaun und Haus zerstörten, sind Mitglieder der Partido Verde (Grüne Partei Mexikos) und stehen in enger Verbindung zu der Gruppe der „Sembradores de paz“, sind vermutlich von ihnen für die Aggression beauftragt worden. Auch wurden vor der bewaffneten Zerstörung Schüsse aus dem Haus eines Mitglieds der Partido Verde abgegeben. Die Abejas – viele durch das Massaker am 22.Dezember 1997 traumatisiert – fühlten sich an das Massaker erinnert, bei dem 45 Mitglieder ihrer Organisation von einer paramilitärischen Gruppe unter Kooperation und Duldung des mexikanischen Staates erschossen wurden.

Zerstörtes Haus der Abejas am Eingang des Verwaltungssitzes

Wer sind eigentlich die Bienen ?

Die Asociación Civil Las Abejas (Zivilgesellschaftliche Organisation Die Bienen) ist eine christliche, der Befreiungstheologie nahe stehende pazifistische Bewegung, die sich in vom Staat unabhängigen Strukturen organisiert und sich für ihre Rechte – die Rechte der indigenen Bevölkerung – einsetzt. Sie gehören der indigenen Gruppe der Tsotsil an und sind rund 1200 Personen. Diese leben auf 28 Gemeinden verteilt. Wie die zapatistische Bewegung fordern auch sie, seit ihrer Gründung 1992, ein Ende der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, Selbstbestimmung für die Gemeinden, bessere Gesundheitsversorgung und Bildung, eine Neuverteilung des Landes sowie mehr Demokratie und Freiheit. Im Gegensatz zu der zapatistischen Bewegung haben sie sich nie bewaffnet, sondern leisten in jedem Fall einen gewaltfreien Widerstand gegen die repressive mexikanische Regierung. Die Gewaltfreiheit und der katholische Glaube spielen für die Abejas eine große Rolle. Die Opfer des Massakers, das die Organisation im Jahr 1997 erlitten hat, werden in den Gottesdiensten regelmäßig als die „Märtyrer von Acteal“ in Erinnerung gerufen.

Homepage: http://acteal.blogspot.mx/

Der Widerstand der Abejas und ihre Organisation

Der Widerstand der Abejas basiert auf dem Prinzip der Gewaltfreiheit und der Ablehnung des repressiven Staates, der die indigene Bevölkerung diskriminiert und gewaltsam gegen sie vorgeht. Die Abejas leben in von ihnen errichteten, d.h. in vom Staat unabhängigen, Verwaltungs- und Regierungsstrukturen, in einer eigenen Demokratieform. Die Menschen, die der Organisation angehören, haben sich dazu entschieden, in den eigens errichteten autonomen Regierungsstrukturen zu leben. Sie lehnen staatliche „Hilfen“ ab, bezahlen weder Steuern noch Elektrizität und Wasser. Am 14. März 2018 ging eine Gruppe von Acteal bis Chenalhó und sprayte auf dem Weg immer wieder Aufforderungen kein Geld für Strom und Wasser zu bezahlen. Neben einem eigenem Justizsystem haben die Abejas auch eine Klinik und eigene „Bildungsförderer_innen“. Außerdem lehnen sie die Uhrzeit der „schlechten Regierung“ ab und leben nach der Uhrzeit des Díos (1 Stunde zurück). Zu ihrem Widerstand gehört außerdem das Denunzieren von Gewalt, ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre gewaltfreien Befreiungs- und Protestaktionen (z.B. menschliche Blockaden). Zudem betonen sie, dass ihr Widerstand im Gebet besteht. Auch ihre Erinnerungsarbeit ist Ausdruck des Widerstands: Der Hauptsitz der Abejas wird auch das Haus der Erinnerung und Hoffnung genannt, denn er ist ein Ort der Erinnerung und des daraus resultierenden Widerstands. Die Opfer des Massakers liegen dort begraben. Jeden 22. des Monats wird in einer Gedenkfeier an die Opfer des Massakers gedacht – und damit auch an die Straflosigkeit, Kriminalität und massive Gewalt und Repression, die die Abejas von Seiten des mexikanischen Staats erlitten haben und bis heute erleiden.

14.März öffentliche Aktion, Aufruf zum Widerstand

In der Organisationsstruktur der Abejas gibt es zwölf Autoritäten, dessen politische Arbeit freiwillig und ohne Bezahlung verrichtet wird. 6 Personen sind Teil der sogenannten „Mesa Directiva“, welche der Vorstand der Organisation ist. Innerhalb der „Mesa Directiva“ wird noch einmal untergliedert in Präsident und Vize-Präsident. Weiterhin gibt es drei „Comesariados“, welche für die Kontrolle der Einhaltung der Entscheidungen auf den Plenas verantwortlich sind, sowie für die Kontrolle des Geländes. Außerdem gibt es noch zwei Richter und ein Bürgermeister, welcher den Richtern hilft. Jährlich im Oktober kommen alle Abejas zusammen und es finden Wahlen statt, wo die Autoritäten für ein Jahr gewählt werden. Auf dem Plenum werden zunächst für jeden Posten drei Personen aufgestellt, von denen dann nach dem Mehrheitswahlrecht eine Person ausgewählt wird. Die politische Arbeit der Autoritäten wird nur von Männern geleistet. In den patriarchalen Strukturen vor Ort sind die Frauen für die Reproduktionsarbeit zuständig und normaler Weise arbeiten die Männer auf den Milpas (Maisfelder). Da aber die Autoritäten zumeist fünf Tage die Woche ohne Bezahlung politisch für die Bewegung arbeiten, müssen die Familien die fehlende Arbeitskraft ersetzen, was eine enorme Belastung darstellt. Beispielsweise nähen und besticken Frauen und Kinder Kleidung für den Verkauf. Im Moment arbeiten die Autoritäten, aufgrund des anhaltenden Konflikts, täglich und haben ihre Arbeit auf den Milpas komplett niedergelegt. Die meisten Menschen vor Ort sind Campesin@s, Eigenversorger*innen und leben von dem, was sie auf ihren Feldern anbauen – Mais, Bohnen, Kaffee und etwas Gemüse.

Das Massaker von Acteal

Die Abejas fielen am 22.12.1997 einem Massaker zum Opfer. Im Zuge der staatlichen Aufstandsbekämpfung gegen die zapatistische Bewegung waren in Acteal 45 Menschen beim gemeinsamen Gebet von einer paramilitärischen Gruppe – Anhänger der damals regierenden PRI-Partei – erschossen worden. Bei dem sechs stündigen Massaker wurden 21 Frauen (und 4 ihrer ungeborenen Kinder), 9 Männer und 15 Kinder getötet und 26 weitere schwer verletzt. Dies geschah in Kooperation mit dem mexikanischen Militär und unter Duldung der mexikanischen Polizei, die nur etwa 200 Meter entfernt stationiert war. Neben der steigenden Militärgewalt war die Schaffung paramilitärischer Gruppen seit der Rebellion der zapatistischen Bewegung im Jahr 1994, Teil der staatlichen Strategie (Krieg niederer Intensität), um die zapatistische Armee und Sympathisanten der zapatistischen Bewegung gewaltsam niederzuschlagen. Denn nach der Erhebung der EZLN 1994 erklärten sich die Abejas solidarisch mit den Zapatistas, denn sie teilen wie bereits erläutert ihre Forderungen und sind, wie sie, in vom Staat unabhängigen Strukturen organisiert. Die paramilitärischen Gruppen spalteten und zerstörten nicht nur die Gemeinden, sondern baten der Regierung auch die Möglichkeit die Konflikte als inter- oder intra-kommunal, als ein Problem der Indigenas abzutun.
Obwohl die massive Gewalt Teil einer staatlichen Strategie war, und Militär und Polizei involviert waren, kamen hochrangige Politiker und Militärs ohne Strafe davon. Verurteilte Paramilitärs wurden frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Die Abejas beklagen bis heute – 20 Jahre nach dem Massaker – die Straffreiheit der Verantwortlichen. 2009 wurden 50 der 87 verurteilten Paramilitärs aus der Haft entlassen, aufgrund von Prozessfehlern und konnten danach in ihre Gemeinden zurückkehren, welche sich in unmittelbarer Nähe zum Ort des Massakers befinden. Jeder von ihnen erhielt eine Prämie von 5 Hektar Land mit Wohnsitz nach der Freilassung.
Das Gedenken an das Massaker ist sehr präsent. Am Ortseingang der Gemeinde steht eine Gedenksäule: „Säule der Schande“. Insgesamt existieren vier solcher Skulpturen des dänischen Künstlers Jens Galschiøt auf der Welt, an Orten wo Massaker begangen wurden (Hong-Kong, Acteal, Brasília, Rom). Die Kirche ist bemalt mit Opfern des Massakers. Über der Gruft, wo die Toten beerdigt wurden, wurde ein „Auditorio“ (Überdachter Saal) errichtet, mit Kreuzen für alle 45 Opfer. Monatlich am 22. findet an diesem Ort eine Gedenkfeier statt. Außerdem ist eine neue Kapelle am Ort des Massakers errichtet worden. In dem Altar sind immer noch die Einschusslöcher zu sehen.

Auditorio – mit 45 Kreuzen für die Opfer

Wo liegt Acteal eigentlich?

Acteal ist eine kleine Gemeinde im Landkreis Chenalhó. Sie befindet sich im Hochland des mexikanischen Bundesstaats Chiapas, im Süden Méxikos. Die Gemeinde Acteal ist der Hauptsitz der Organisation der Abejas, deren Mitglieder in verschiedenen Gemeinden im Landkreis Chenalhó wohnen. Im Hauptsitz befindet sich u.a. das Büro des Vorstands, die Klinik, das Büro der Öffentlichkeitsarbeit, eine kleine Kirche, eine Kapelle (an dem Ort des Massakers) und ein großes Auditorium, in dem Versammlungen der Organisation stattfinden sowie die Gedenkfeiern für die Opfer des Massakers. Der Hauptsitz der Abejas ist Ort der Erinnerung und Hoffnung.

Die Aggressoren:

Wer sind die „Sembradores de Paz“?

2008 gab es die erste Abspaltung der Abejas, weil es Konflikte gab über die Annahme von Regierungsprogrammen und ökonomischer, finanzieller Stützen. Diese Abspaltung nennt sich jetzt „Las Abejas de Chiapas“, welche jetzt Unterstützungen der Regierung annimmt. Die Mitglieder der Gruppe der „Sembradores de Paz“ waren bis 2014 ein Teil der Organisation der Abejas. Auch diese spalteten sich aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen über Organisationsform, keine Bereitschaft zum Dialog, persönlichen Konflikten und des nicht eingesehenen Fehlverhaltens und unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Wiedergutmachung des Massakers ab. Während die Organisation der Abejas Gerechtigkeit einfordert und damit die Bestrafung der Verantwortlichen, streben die „Sembradores“ eine staatliche materielle Entschädigung an. Des Öfteren gab es seit der Spaltung Übergriffe der „Sembradores“ gegenüber der Organisation der Abejas. Sie stehen laut den Abejas auch hinter der Aggression des 21. April – denn sie beanspruchen die Hälfte des Grundstücks, auf dem der Hauptsitz der Abejas liegt. Dieser Teil war drei Monate nach dem Massaker von Francisco Vázquez Hernández (Don Francisco) an an die Abejas geschenkt worden, der eine Tochter bei dem Massaker verloren hatte. Seit dem Tod Franciscos beanspruchen seine drei Töchter – eine davon verheiratet mit dem Präsidenten der „Sembradores de Paz“ Antonio Gómez Pérez – das damals geschenkte Grundstück. Sie behaupten, sie seien die legitimen Besitzer_innen, was die Schenkungsdokumente jedoch widerlegen. Vermutlich werden die Töchter von der Gruppe der „Sembradores“ instrumentalisiert, die das Grundstück für sich beanspruchen wollen. Auch die Mitglieder der „Sembradores“ sind zum Teil Ueberlebende des Massakers von 1997. Vollständig nennen sie sich „Consejo Pacifista Sembradores de la Paz de la Sociedad Civil Las Abejas“ (Pazifistischer Rat der Friedenssäher der Zivilgesellschaftlichen Organisation der Abejas) – und beanspruchen weiterhin Teil der Abejas zu sein. Der Vorstand der Abejas distanziert sich jedoch klar von der Gruppe. Die Sembradores stehen der Partido Verde nah. Ihr Name ist irreführend, denn sie sind alles andere als friedlich.

Wer ist die „Partido Verde“?

Schüsse wurden am 21. April aus einem Haus eines Mitglieds der Partido Verde abgefeuert. Zudem sind die bewaffneten Personen, die Zaun und Haus der Abejas zerstörten und dabei Schüsse abfeuerten, laut der Abejas, zum großen Teil Mitglieder der Partido Verde.
Die Partido Verde Ecologista México (PVEM) ist die Grüne Partei Mexikos. Sie ist jedoch nicht als eine kritische, ökologische Partei zu verstehen, und sie ist auch keinesfalls mit der deutschen Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ zu vergleichen. Die Partido Verde stellt momentan die korrupte Präsidentin des Landkreises Chenalhó, in dem Acteal liegt. Nach Informationen, die dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas vorliegen, hat die Landkreispräsidentin von der Partido Verde im letzten Jahr paramilitärische Gruppen bewaffnet, die für die Vertreibungen von mehr als 5.000 Menschen im November letzten Jahres aus dem Nachbarbezirk Chalchihuitán und für die Vertreibung im März von über 700 Personen aus dem Nachbarbezirk Aldama verantwortlich sind. Zwölf Menschen aus Chalchihuitán wurden erschossen oder starben in den Vertriebenencamps. In Aldama gibt es bis heute bereits drei Todesopfer. Es ist ebenfalls bekannt, dass die Partido Verde ihre Parteianhänger in Chenalhó bewaffnet hat.

Zusammenhang zwischen den „Sembradores de Paz“ und der „Partido Verde“?

Die „Sembradores de Paz“ stehen der Partido Verde nah. Die bewaffneten Personen, die Schüsse abfeuerten und den Zaun und das Haus der Abejas zerstörten, sind Mitglieder der Partei. Nach der Zerstörung des Hauses, versammelten sie sich vor dem Haus des Präsidenten der „Sembradores“ und riefen, dass die Arbeit nun getan sei. Die Zerstörung des Hauses passierte im Interesse der „Sembradores“, da diese einen Teil des Geländes beanspruchen, auf dem der Sitz der Organisation der Abejas liegt – sie hatten geplant, ein Büro an die Stelle zu bauen, an der das Haus der Abejas zerstört wurde. Zudem wurden am selben Tag Schüsse aus einem Haus eines Mitglieds der Partei abgefeuert. Es ist deshalb mehr als wahrscheinlich, dass eine Absprache stattgefunden hat.

Aktuelle Lage

Ich war vom 25.04. bis zum 02.05. mit zwei anderen Leuten vor Ort. Die Situation ist immer noch sehr angespannt. Als wir am Mittwoch nach eineinhalb Stunden Fahrt in Acteal ankamen, bezogen wir erst einmal unser Campamento – Unterkunft. Ein Steinhaus mit Fenstern und Platz für vier Hängematten.

Campamento

Die Anspannung und die Angst der Abejas war die Woche über immer bemerkbar. Täglich kamen Compañer@s (Selbstbezeichnung der Menschen, die hier vor Ort im Widerstand zur Verteidigung der Madre Tierra und der Rechte der Indigenas sind, sprich Gefaehrt_innen/Genoss_innen) aus den umliegenden Gemeinden, um zusammen zu beten und sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Uns wurde erzählt, dass viele Arbeiter_innen sich nicht mehr auf ihre Milpas (Maisfelder) trauen, weil die angrenzenden Felder den Sembradores gehören und sie Angst vor weiteren Übergriffen haben. Im Laufe der Woche gab es weitere Aggressionen, unter anderem wurden Menschen mit Schusswaffen bedroht und täglich werden Gebäude mit Steinen beschossen. Gerüchte werden geschürt, um die Leute vor Ort zu beunruhigen. Doch die in Acteal wohnenden Abejas, wurden nie allein gelassen. Schon sehr früh am Morgen und auch bis spät in die Nacht waren Compañer@s aus umliegenden Gemeinden zur Unterstützung da. Freitag Morgen, den 27.04. begannen dann mehrere Männer das Holzhaus neben dem Eingang des Verwaltungssitzes der Abejas abzubauen und entwendeten alle Baumaterialien. Die Mesa Directiva teilte uns im Nachhinein mit, dass die Personen der Partido Verde angehören. Anschließend wurde ein Transparent aufgehängt, welches Fremden verbietet das Grundstück der Abejas zu betreten und der Mesa vorwirft, sie sei an keiner friedlichen Konfliktlösung interessiert.
Am selben Tag fand ein Treffen statt, um über mögliche Lösungen und Vorgehensweisen zu sprechen. Dieses Treffen begann mit einem traditionellem Mayaritual, um die Menschen von ihren Ängsten zu befreien. Es wurden zwei Vorgehensweisen beschlossen. Alle Dokumente, wie beispielsweise die Schenkungs-Urkunde, sollen erneut geprüft werden. Des Weiteren soll eine Pressekonferenz in den nächsten Wochen stattfinden, um öffentlichen Druck auszuüben und durch deeskalierendes Verhalten den Konflikt zu lösen.
Wir sprachen mit Überlebenden des Massakers, welche ihr Trauma jetzt erneut durchleben und unbeschreibliche Ängste erfahren.

Frauen und patriarchale Strukturen

Die Frauen üben hauptsächlich Reproduktionsarbeit aus. Das heißt unbezahlte Haus- und Familienarbeit. Während die Autoritäten der Abejas, die Männer, freiwillig politisch arbeiten, sind jede Woche zwei andere Frauen auf dem Verwaltungsgelände und bekochen diese. Eine Compañera berichtete mir, dass es für Frauen auch noch nicht möglich war Teile der Autoritäten zu stellen, weil dies bedeuten würde, dass die Männer die Reprouktionsarbeit übernehmen müssten und das hatte sie als „sehr schwer“ beschrieben. Es gibt aber bereits Organisationsansätze. Beispielsweise hat sich ein Frauenkollektiv gegründet, was bisher aus vier Frauen besteht. Die Compañera erzählte mir, dass unter anderem über die Lebensweise der Frauen der Abejas nachgedacht wird. Außerdem werde versucht, dass die Frauen ihre Ehemänner bei der politischen Arbeit unterstützen und mitwirken können. Desweiteren gibt es eine Schmuckkooperative der Frauen, um Kunstgegenstände zu produzieren, die im Laden der Abejas in San Cristóbal verkauft werden. Seit Kurzem gibt es auch ein Kollektiv einiger Frauen in dem Honig produziert wird. Dies ist zwar ein Schritt, um mehr Autonomie zu erlangen, andererseits werden Abhängigkeiten vom Tourismus aufgebaut.
Jeden 8. März organisieren die Frauen eine Demonstration und treten für ihre Rechte ein. Eine Compañera Guadalupe Vázquez Luna, kurz Lupita, ist zum Beispiel die Stellvertretende Abeja für den CNI (Nationaler Indigener Kongress, unabhängig von der mexikanischen Regierung). Sie ist ebenfalls eine Überlebende des Massakers und eine unglaublich starke Frau. (https://www.youtube.com/watch?v=867u-WT4Yfc)


8. März Demonstration – Internationaler Tag der Frauen

Insgesamt waren die Tage in Acteal durchwachsen. Es gab Anspannungen von außerhalb aber unter uns Beobachter_innen mussten wir ebenso Konflikte lösen, mit unterschiedlichen Gefühlen umgehen und auch die Passivität vor Ort und das nicht Einmischen mussten wir uns immer wieder vor Augen führen. Die Compañer@s bedankten sich bei uns mehrfach für unsere Anwesenheit und unser politisches Interesse und betonten häufig, dass wir in Deutschland von der Bewegung berichten sollten und dass sie auf die Unterstützung angewiesen sind.
La lucha sigue!

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