Delegationsreise Griechenland [Teil 4]

Kurzbericht zur Situation in Mazedonien
                                

Am 30.12. trafen wir eine Person von Open Border Osnabrück um über ihre Arbeit und die Situation von Menschen auf der Flucht in Mazedonien zu sprechen. Die Open Border Gruppe ist Teil des losen Zusammenhangs verschiedener Einzelpersonen und Strukturen, die in Mazedonien Menschen auf der Flucht mit u.a. Kleidung, Nahrungsmitteln und Medizin versorgen. Leider hatten wir nicht genügend Zeit um alles ausführlich zu besprechen, deswegen wird innerhalb der nächsten Woche noch ein detaillierter Bericht mit Interviews folgen.  Wir möchten darauf hinweisen, dass die Aussagen von eine Einzelperson stammen. Da sie in einem Netzwerk aktiv ist, dass seit längerem auf der “Balkanroute” unterwegs ist und auch den Hilfeaufruf für Mazedonien geschrieben hat, denken wir, dass wir den Informationen vertrauen können. Daher wollen wir an dieser Stelle schonmal einen ersten kurzen Überblick geben.

In unserem Bericht über Eidomeni haben wir bereits die Situation auf der griechischen Seite der Grenze beschrieben und angekündigt, dass wir versuchen werden Informationen über die Lage auf mazedonischer Seite zu sammeln.


Die genannte aktive Person schilderte uns die Lage wie folgt: 

In Gevgelia (der mazedonische Grenzort zu Eidomeni) gibt es ebenfalls ein UNHCR Camp, indem auch eine weitere NGO namens „Legis“ aktiv ist. Dort werden die „legalen“ Geflüchteten versorgt, also die Menschen, die Papiere aus Syrien, Afghanistan und dem Irak besitzen. In Gevgelia gibt es eine Zugverbindung nach Tabanovce, dem Ort vor der serbischen Grenze. Wenn 400 Menschen zusammenkommen, wird der Zug nach Gevgelia „bestellt“ und fährt im Anschluss mit 700 – 800 Menschen an die serbische Grenze. Nach Einschätzung unseres Gesprächspartners hätten eigentlich maximal 600 Personen Platz. Desweiteren ist der Zug nicht beheizt. Für die Fahrt wird von den Menschen ein Preis von 25 € verlangt. Wer dieses Geld im Endeffekt bekommt, ist genau wie in Eidomeni nicht völlig klar. 

So wie in Eidomeni versuchen Taxifahrer*innen auch in Mazedonien mitzuverdienen. Um dies einzufordern blockierten sie sogar zeitweise die Bahnschienen, so dass keine Züge mehr fahren konnten und die Grenze geschlossen wurde. Berichten zufolge verlangen Taxis für die Fahrt von Gevgelia nach Trabanovce von Menschen aus Syrien, Irak oder Afghanistan 25 €. Die Menschen, die auf anderem Wege über die Grenze gelangen und dann auf den Straßen unterwegs sind, müssen um ein vielfaches mehr bezahlen. Von ihnen werden mindestens 80 € verlangt. Doch auch wenn sie dies bezahlen, ist das noch kein Garant dafür, sicher an die serbische Grenze zu gelangen. Uns wurde berichtet, dass Geflüchtete die Taxifahrer*innen für die Fahrt bezahlten, des Öfteren ausgeraubt und an der Straße oder im Wald zurückgelassen werden. Eine andere Verfahrensweise ist es, ihnen einen horrenden Preis für die Fahrt abzunehmen und sie danach an die Cops zu übergeben. Die Cops sperren die Menschen ein oder schieben sie ab. Die Situation in Mazedonien ist besonders für “Illegalisierte” extrem gefährlich. Da sie nicht legal mit dem Zug fahren dürfen, müssen sie versuchen über die Straßen und Bahngleise weiterzukommen. Dabei sind Angriffe von den Cops, der Mafia oder Taxifahrer*innen keine Seltenheit.

Verschiedene Aktivist*innen und Volunteers haben sich im sozialen Zentrum in Skopje zusammengefunden. Von hier aus koordinieren sie ihre Arbeit. Unter anderem ensteht gerade ein Notfalltelefon (0030 694 36 20 206) für Refugees, das Menschen anrufen können, wenn sie Hilfe brauchen. Außerdem verteilen Aktivist*innen Kleidung, Nahrungsmittel oder Medizin an Menschen an den Straßen oder Bahngleisen. Die deutschen Aktivist*innen arbeiten mit den Leuten vor Ort zusammen. Zur Zeit wird versucht eine relativ stabile Vernetzung aufzubauen um ein strukturiertes und kontinuierliches Arbeiten zu gewährleisten. Dabei wird immer Unterstützung benötigt. In einem Aufruf erklären sie, wie genau geholfen werden kann und welche Kontaktadressen es gibt.

Neben diesem Bericht des Aktivisten vor Ort werden wir versuchen in den nächsten Tagen mehr zur Situation zu erfahren und euch hier auf dem Laufenden zu halten. Unsere Delegation wird sich aufteilen. Eine Gruppe fährt nach Skopje (Hauptstadt von Mazedonien) und versucht dort nocheinmal mit Personen vor Ort zu sprechen. Bitte verbreitet den Aufruf und teilt die Telefonnumer des Notfalltelefons!

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